Der Landkreis Karlsruhe hat sich erfolgreich im Bundeswettbewerb „Investive kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“ des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) durchgesetzt. Gemeinsam mit der Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe sowie weiteren lokalen Partnern erhält er Fördermittel für ein zukunftsweisendes Klimaschutzprojekt an der Ludwig-Guttmann-Schule (LGS) in Karlsbad-Langensteinbach.
Den Förderbescheid überreichte Mitte Mai die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter im Foyer der Schule. Finanzdezernent Ragnar Watteroth nahm ihn stellvertretend für den Landkreis entgegen. Bei einem anschließenden Rundgang mit Bürgermeister Björn Kornmüller wurde das Modellprojekt vorgestellt.
95 Prozent weniger CO₂-Ausstoß
Mit der neuen Wärme- und Kälteversorgung soll der CO₂-Ausstoß der Schule künftig um rund 95 Prozent sinken. Nach Angaben des Landkreises werden dadurch jährlich etwa 300 Tonnen klimarelevante Treibhausgase eingespart. Das Bundesministerium übernimmt im Rahmen des Förderprogramms 70 Prozent der Investitionskosten. Insgesamt beläuft sich das Projektvolumen auf rund 1,9 Millionen Euro.
Besondere Anforderungen an Heizung und Kühlung
Die Ludwig-Guttmann-Schule ist ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Auf rund 7.000 Quadratmetern Nutzfläche befinden sich neben Klassen- und Aufenthaltsräumen unter anderem eine Sporthalle sowie ein Therapiebad.
Da die rund 120 Schülerinnen und Schüler besonders empfindlich auf Temperaturschwankungen reagieren, muss ganzjährig eine konstante Raumtemperatur von etwa 25 Grad Celsius gewährleistet werden. Gleichzeitig erfordern zunehmend heiße Sommer eine zuverlässige Kühlung. Das Therapiebad muss dauerhaft auf 34 Grad beheizt werden. „Diesen hoch energieintensiven Betrieb kosteneffizient und nachhaltig umzustellen, ist eine enorme Herausforderung“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises.
Wärmepumpen ersetzen alte Gaskessel
Die beiden rund 30 Jahre alten Gaskessel werden durch ein modernes Versorgungssystem aus Wärmepumpen und Pufferspeichern ersetzt. Fünf Luft-Wasser-Wärmepumpen nutzen die Abluft aus den Klassenräumen über eine primäre Vorwärmstufe. Ergänzt wird das System durch eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, die ihre Energie aus 15 Erdsonden bezieht.
Im Sommer dienen die Erdsonden der natürlichen Kühlung des Gebäudes. Gleichzeitig erzeugt die Anlage Wärme für das Therapiebad, sodass Heizen und Kühlen parallel möglich sind. Zusätzlich sorgen eine optimierte Wärmeverteilung sowie eine dezentrale Warmwasserbereitung für die Duschen in Sporthalle und Therapiebad für weitere Energieeinsparungen.
Photovoltaikanlage liefert Strom für den Betrieb
Eine intelligente Steuerung der Wärmepumpen sorgt dafür, dass möglichst viel des vor Ort erzeugten Solarstroms direkt genutzt wird. Die Pufferspeicher werden bevorzugt geladen, wenn überschüssiger Strom aus der Photovoltaikanlage zur Verfügung steht.
Parallel zum Umbau der Wärmeversorgung errichtet und betreibt eine Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) auf geeigneten Dachflächen der Schule eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 800 Kilowatt-Peak (kWp). Der Strom, der nicht für die Wärmeversorgung oder den übrigen Energiebedarf der Schule benötigt wird, wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist. (sak/red.)
