Neun Klebepunkte hatte jeder Besucher zur Verfügung, um die wichtigsten Maßnahmen für Waldbronns Zukunft zu markieren. Beim „Info-Markt der Ideen“ im Kurhaus konnten sich rund 60 Interessierte über den mehr als 130 Seiten umfassenden Leitbildentwurf informieren, mit den Arbeitsgruppen ins Gespräch kommen und ihre Prioritäten setzen.
Von der Idee zur Maßnahme
Das Leitbild schreibt das „Leitbild 2025“ aus den Jahren 2015/16 fort. Seit dem Frühjahr hatten sechs Arbeitsgruppen mit jeweils sieben bis 16 Personen Vorschläge zu Themen wie Wirtschaft, Kurort und Tourismus, Ortsentwicklung und Digitalisierung erarbeitet. Insgesamt beteiligten sich 52 Bürger, teilweise in mehreren Gruppen. Vorausgegangen waren eine Einwohnerversammlung im März mit rund 80 Teilnehmern und eine Online-Beteiligung.
An den Stellwänden waren die von den Arbeitsgruppen priorisierten Maßnahmen aufgeführt. Besonders häufig markiert wurden unter anderem ein kommunales Schwammstadtkonzept, neue Spielflächen für Kinder und Jugendliche sowie der Erhalt des Freibads.
Ein Schwammstadtkonzept soll Waldbronn besser auf Starkregen und Trockenheit vorbereiten. Regenwasser soll möglichst vor Ort versickern und verdunsten, statt direkt in die Kanalisation zu fließen. Das kann Überflutungsrisiken verringern und zur Kühlung öffentlicher Flächen beitragen.
Bei neuen Spielflächen geht es um Treffpunkte, an denen Kinder und Jugendliche kicken, skaten oder sich aufhalten können. Weil die Straßen voller Autos seien, sei das schwieriger geworden, erklärte Melanie Fortner von der Arbeitsgruppe Orts- und Innenentwicklung.
Mundpropaganda als wichtigste Informationsquelle
Jürgen Socher, Wiebke Steinkamp, Stefanie Müller, Melanie Fortner, Gabriel Fink und Marc Backa aus den Leitungsteams stellten die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen vor. Eine kurze Abfrage von Backa zeigte, wie die Besucher auf die Veranstaltung aufmerksam geworden waren: Die meisten hatten davon durch Mundpropaganda erfahren. Je zwei nannten das Amtsblatt und soziale Medien, niemand die Gemeindewebseite. Backa sah darin einen Hinweis darauf, dass die Kommunikation zwischen Rathaus und Bürgern verbessert werden könnte.
Wie es weitergeht
Zum Abschluss übergaben die Beteiligten den Leitbildentwurf symbolisch an Bürgermeister Christian Stalf. Die Rückmeldungen des Abends sollen noch eingearbeitet werden. Anschließend befasst sich der Gemeinderat mit dem weiteren Vorgehen.
Reinhold Bayer, Fachbereichsleiter der Gemeinde Waldbronn, erläuterte die nächsten Schritte. Die Verwaltung werde die Ergebnisse weiter sichten und einordnen. Voraussichtlich am 18. November soll der Gemeinderat öffentlich darüber beraten, wie es mit dem Leitbild weitergeht. Dabei steht auch die Einrichtung beziehungsweise Fortführung von Arbeitsgruppen sowie einer Steuerungsgruppe im Raum, um die Bürgerbeteiligung langfristig zu sichern.
„Es bringt nichts, wenn wir ein Leitbild haben, das in der Schublade verschwindet“, sagte Bayer.
Bürgermeister Stalf dankte allen Beteiligten. Nicht alle Maßnahmen würden sich angesichts begrenzter finanzieller Mittel verwirklichen lassen. Das Leitbild solle jedoch die gemeinsam erarbeiteten Schwerpunkte bündeln und Gemeinderat sowie Verwaltung als Orientierung dienen. Stalf hoffe, in zehn Jahren mit Stolz auf viele umgesetzte Vorhaben zurückblicken zu können.
Diese Maßnahmen sind den Bürgern besonders wichtig
Die Ergebnisse des „Info-Markts der Ideen“ geben ein Stimmungsbild wieder und sind keine politischen Beschlüsse.
- Kurort und Tourismus: Zukunftskonzept für den Kurpark, zentraler Veranstaltungskalender
- Orts- und Innenentwicklung: Vorrang für Fuß- und Radwege bei Sanierungen, Erhalt des Freibads, neue Spielflächen
- Klima, Ökologie und Nachhaltigkeit: kommunales Schwammstadtkonzept
- Digitalisierung: digitales Bürgerportal
- Bildung, Soziales und gesellschaftliches Engagement: Begegnungszentrum, Kinder- und Jugendbeteiligung, dauerhafte Bürgerbeteiligung
- Wirtschaft und gewerbliche Entwicklung: Grundsatzentscheidung über neue Gewerbeflächen, Aufwertung des Rathausmarkts (sib/red.)
