Durlacher Blatt

Ganztagsschule als Lebensraum: Ministerin zu Besuch in Durlach

Wie moderne Ganztagsbildung funktionieren kann, zeigte sich Mitte Januar an der Schloss-Schule Durlach. Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper informierte sich dort über das Konzept einer Ganztagsgrundschule, die Lernen, Betreuung und Persönlichkeitsentwicklung eng miteinander verbindet.
Ab dem kommenden Schuljahr gilt für neu eingeschulte Kinder der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Der Bedarf an Ganztagsangeboten wird damit weiter steigen. Um den Ausbau qualitativ zu gestalten, gewinnen erfolgreiche Modelle bestehender Schulen zunehmend an Bedeutung.
Schulleiterin Melanie Erndwein erläuterte, dass Ganztag an der Schloss-Schule mehr ist als zusätzliche Betreuung. Ziel sei eine ganzheitliche Entwicklung der Kinder – fachlich, sozial und persönlich. Die Schule versteht sich als Lebensraum, in dem Selbstständigkeit, Verantwortung und individuelle Stärken im Mittelpunkt stehen.

Flexibles Ganztagsmodell mit klarer Struktur

An der Schloss-Schule lernen 387 Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse, etwa die Hälfte nimmt am Ganztagsangebot teil. Während einige Kinder mittags nach Hause gehen oder andere Betreuungsangebote nutzen, bleibt für Ganztagskinder der Nachmittag fester Bestandteil des Schulalltags. Unterricht, Lernzeiten und freie Phasen greifen dabei pädagogisch ineinander. Der Tag beginnt mit einer offenen Ankommenszeit ab 7.30 Uhr, der Unterricht startet um 8 Uhr und endet um 12.40 Uhr. Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgen Lernzeiten, Projekte und Angebote, die von Lehrer-Erzieher-Tandems begleitet werden. Betreuung ist bis 16 Uhr, bei Bedarf bis 17 Uhr möglich. Rund 70 Mitarbeitende sind an der Schule tätig.

Lesen, Musik und Handwerk als pädagogische Schwerpunkte

Inhaltlich setzt die Schule klare Akzente. Lesen spielt eine zentrale Rolle, unterstützt durch Kooperationen mit der Stadtbücherei und einen Leseelternpool. Musik ist fest im Schulalltag verankert, ergänzt durch Chorarbeit, Musicalprojekte und eine Zusammenarbeit mit dem Badischen Konservatorium. Ein besonderes Profilmerkmal ist die schuleigene Tischlerei, in der Kinder handwerkliche Fähigkeiten erlernen. Weitere Schwerpunkte sind Schwimmen, Schach sowie der Atelierunterricht, in dem Kinder in kleinen Gruppen forschen, experimentieren und eigene Projekte entwickeln.
Der Ganztagsnachmittag basiert auf fünf pädagogischen Säulen: Förderung von Basiskompetenzen, individuelle Unterstützung, lebenspraktisches Lernen, selbstbestimmte Angebote und gezielte Herausforderungen für leistungsstarke Kinder.

Neue Räume für neue Lernformen

Die räumliche Gestaltung der Schule unterstützt das pädagogische Konzept. Multifunktionale Räume mit fantasievollen Namen wie Schatzkammer, Baumeisterkammer oder Sternensaal schaffen unterschiedliche Lern- und Erfahrungsräume. Eine Mensa, Bewegungsräume und eine pädagogische Küche ergänzen das Angebot. In den vergangenen sieben Jahren wurde die Schloss-Schule umfassend umgebaut und erweitert. Die Stadt Karlsruhe investierte rund 30 Millionen Euro, unterstützt durch Fördermittel von Land und Bund. Die neue Schule wurde im April eröffnet, der Schulhof soll bis zum Sommer fertiggestellt werden. Der Besuch der Kultusministerin verdeutlichte, welche Rolle Ganztagsschulen künftig spielen werden – und wie moderne Bildung gestaltet werden kann, wenn Lernen und Leben zusammen gedacht werden. (svs)

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