Bergdörfer Redaktion

Füchse, Uhus und Waschbären: Die Tierwelt der Karlsruher Bergdörfer

9. Juni 2026 Lesedauer
Foto: Rudolf Weingarth
Foto: Rudolf Weingarth

Füchse auf Futtersuche, Hasen auf den Feldern, Uhus mit Nachwuchs und sogar Waschbären in Wohngebieten: Die Karlsruher Bergdörfer sind trotz neuer Baugebiete und einer vergleichsweise hohen Bevölkerungsdichte ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Wildtiere. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, kann die heimische Tierwelt oft direkt vor der Haustür beobachten.
„Am meisten profitieren offenbar die Füchse von unserer Wegwerfgesellschaft“, sagt Rudolf Weingarth vom Netzwerk Natur Bergdörfer. Essensreste würden den Tieren das Leben in der Nähe des Menschen erleichtern. „Von übrig gebliebener Pizza über Brötchen bis hin zu Wurst – Füchse finden inzwischen reichlich Nahrung.“

Waschbären auf dem Vormarsch

Seit mehr als 50 Jahren beobachtet Weingarth die Entwicklung von Flora und Fauna in der Region. Er betreut das rund 350 Hektar große Revier Bergwald auf Durlacher Gemarkung und kennt die Veränderungen in der Tierwelt genau.
Neben bekannten Arten wie Fuchs, Hase, Fasan, Feldlerche, Kiebitz, Wiedehopf und Steinkauz sind inzwischen auch Waschbären in den Bergdörfern angekommen. Die anpassungsfähigen Tiere werden laut Weingarth immer häufiger gesichtet.
„Wir konnten beobachten, wie ein Waschbär direkt zur Meisenfütterung gelangte – und das mitten in einem dicht besiedelten Wohngebiet“, berichtet er.

Hasen kehren zurück

Eine erfreuliche Entwicklung zeigt sich dagegen bei den Feldhasen. Nachdem die Tiere rund drei Jahrzehnte lang nahezu verschwunden waren, erholen sich ihre Bestände wieder deutlich.
Um die Entwicklung zu dokumentieren, zählt das Netzwerk Natur Bergdörfer die Hasenpopulation regelmäßig. „Viermal im Jahr fahren wir nachts mit dem Auto durch die Felder und erfassen die Tiere mit Nachtsichtgeräten“, erklärt Weingarth. Für die nächste Zählung werden noch Helfer gesucht.

Kleine Sensation bei den Uhus

Auch seltene Vogelarten finden in den Bergdörfern geeignete Lebensräume. Besonders rund um die Durlacher Mühle und östlich der Ostumgehung lebt ein Uhu-Paar.
„Ich konnte drei Jungvögel fotografieren. Das ist schon eine kleine Sensation“, erzählt Weingarth begeistert. Ein weiteres Herzensprojekt des Naturschützers ist der Schutz des Steinkauzes. Für die bedrohte Art werden spezielle Niströhren gebaut, die in der Offenen Jugendwerkstatt Grünwettersbach entstehen. Das benötigte Holz stellt die Ortsverwaltung zur Verfügung.

Rücksicht in der Brutzeit

Gerade im Frühjahr benötigen Wildtiere besondere Ruhe. Vögel brüten, junge Hasen werden geboren und viele Tierarten ziehen ihren Nachwuchs auf. Weingarth empfiehlt deshalb, Wege nicht zu verlassen und Hunde stets anzuleinen. Auch alte Bäume und verlassene Nester sollten erhalten bleiben, da sie vielen Arten als Brut- und Rückzugsorte dienen.
Vor allem aber sollten Wildtiere nicht vorschnell eingesammelt werden. Was auf den ersten Blick wie ein verlassenes Jungtier wirkt, ist oft Teil eines natürlichen Verhaltens.
„Eine Hasenmutter versteckt ihre Jungen in der Wiese und kehrt nur alle zwei bis drei Stunden zurück“, erklärt Weingarth. Wer ein Jungtier entdeckt, sollte deshalb zunächst Abstand halten und fachkundigen Rat einholen. Andernfalls kann es passieren, dass Mutter und Jungtier dauerhaft voneinander getrennt werden. (vim/red.)