Sind junge Menschen auf die Herausforderungen der heutigen Gesellschaft vorbereitet? Reife entsteht nicht allein im Klassenzimmer, sondern vor allem dort, wo Theorie auf gelebte Wirklichkeit trifft. Projekte mit unmittelbarem Praxisbezug bieten Jugendlichen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, soziale Kompetenzen zu entwickeln und das Gemeinwesen aktiv mitzugestalten.
Mehr als ein Tanznachmittag
Genau diese Erfahrung machten Pia Stehle, Didem Icel, Lilly Wieland, Tim Rosentreter und Henry Thomé aus der Jahrgangsstufe 11 des Markgrafen-Gymnasiums Durlach im Rahmen ihres Seminarkurses. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung organisierten sie Ende Mai einen Tanztee für Seniorinnen und Senioren. Ziel war es, Begegnungen zu ermöglichen, bestehende Kontakte zu pflegen und neue Freundschaften entstehen zu lassen.
Gemeinsam mit dem Stadtamt Durlach entwickelte sich das Projekt schnell zu weit mehr als einer schulischen Aufgabe. Im Mittelpunkt standen nicht nur Musik, Tanz und geselliges Beisammensein, sondern vor allem der Austausch zwischen Generationen, deren Lebenswelten sich im Alltag nur selten begegnen.
Begegnungen schaffen
Der Tanztee in der Durlacher Festhalle richtete sich gezielt an Bürgerinnen und Bürger ab 65 Jahren. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr fand die Veranstaltung bereits zum zweiten Mal statt. Unterstützt wurden die Gymnasiasten vom Stadtamt Durlach, dem Verein Durlacher Selbst, der TheoPrax Stiftung sowie weiteren Partnern.
Während die organisatorische Verantwortung in diesem Jahr bei einem neuen Schülerteam lag, blieb das Ziel unverändert: Menschen zusammenzubringen und der Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken.
Unter dem Motto „Weißt du noch, damals …?“ sollten Erinnerungen geweckt und Gespräche angeregt werden. „Der Tanztee im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie wertvoll Begegnungen zwischen den Generationen sind“, betont Roland Laue, Vorsitzender von Durlacher Selbst. „Es ist schön zu sehen, dass dieses Projekt weitergeführt wird und erneut viele Menschen zusammenbringt.“
Auch Ortsvorsteherin Alexandra Ries sieht darin einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag: „Einsamkeit im Alter betrifft viele Menschen. Umso bemerkenswerter ist es, mit wie viel Engagement und Einfühlungsvermögen sich die Jugendlichen diesem Thema widmen.“
Lernen fürs Leben
Begleitet wurde das Projekt über das gesamte Schuljahr hinweg von den Lehrkräften Kirstin Lackus und Alexandra Tutsch. Grundlage war das TheoPrax-Modell, das neben fachlichem Wissen insbesondere Fähigkeiten wie Projektmanagement, Teamarbeit und eigenverantwortliches Handeln fördert.
Henry Thomé (17) und sein Mitschüler Tim Rosentreter berichten, dass die Veranstaltung bewusst weiterentwickelt wurde: „Wir haben neue Angebote wie eine Fotobox eingeführt, den Saal aufwendiger dekoriert und zusätzlich ein Obstbuffet organisiert.“
Die Vorbereitungen erstreckten sich über rund fünf Monate. Neben dem Tanztee gestaltete das Team auch Spielenachmittage und einen Unterhaltungsnachmittag in einem Pflegeheim. Dort kamen die Schülerinnen und Schüler mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch. „Es war schön, ihre Geschichten zu hören und zu erfahren, welche Lieder sie mit besonderen Erinnerungen verbinden. Das hat uns bei der Auswahl der Musik sehr geholfen“, erzählen die beiden. Zusätzlich entwickelte die Gruppe eine einfache Tanzchoreografie, die gemeinsam mit den Gästen aufgeführt wurde und für viele fröhliche Momente sorgte.
Starke Unterstützung aus der Region
Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom Stadtamt Durlach sowie von regionalen Sponsoren. Die Bäckerei Weber stellte Kuchen und Getränke bereit, während der Fotobox-Anbieter Snap Moments die Veranstaltung mit seinem Angebot bereicherte. Der Tanztee zeigte eindrucksvoll, wie junge Menschen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass oft schon wenige Stunden gemeinsamer Zeit ausreichen, um Brücken zwischen den Generationen zu bauen und der Einsamkeit ein Stück entgegenzuwirken. (vm/red.)
