Karlsbad Redaktion

Waldbegehung in Karlsbad: Hitze macht der Natur immer mehr zu schaffen

11. August 2026 Lesedauer
Foto: Sven Scherz-Schade
Foto: Sven Scherz-Schade

Nach gut zehn Minuten lag die rund 100 Jahre alte Kiefer am Boden. Bei der öffentlichen Waldbegehung des Karlsbader Gemeinderats zeigten Forstleute eindrucksvoll, wie ein sogenannter Gefahrbaum heute kontrolliert und sicher gefällt wird. Doch nicht nur die Fällung stand im Mittelpunkt: Die größte Sorge im Karlsbader Gemeindewald bereitet inzwischen die anhaltende Hitze und ihre Folgen für den Wald.
Gleich zu Beginn machten Bürgermeister Björn Kornmüller und Martin Moosmayer, Leiter des Forstamts Landkreis Karlsruhe, vor gut zwei Dutzend Interessierten deutlich, dass der Klimawandel den Wald inzwischen stärker prägt als jedes andere Thema.

Nach vergleichsweise ruhigen Sommern seien die Folgen der Hitze in diesem Jahr bereits absehbar. Vielerorts zeigten sich Trockenschäden. Rund 1,5 Kilometer führte der Rundweg durch den Gemeindewald bei Auerbach. An mehreren Stationen erläuterten Förster und Waldarbeiter, wie sich die Forstwirtschaft auf die veränderten Bedingungen einstellt.

Neuer Forsttraktor kostet 160.000 Euro

Eine wichtige Rolle spielt dabei der neue John-Deere-Forsttraktor, der den rund 30 Jahre alten Schlepper ersetzt. Mit seinen massiven Schutzgittern und Stahlplatten wirkt die Maschine auf den ersten Blick fast überdimensioniert. Tatsächlich dient die aufwendige Ausstattung vor allem der Arbeitssicherheit, erklärte Revierleiter Alex Mohr.
Der Traktor verfügt über 105 PS, erreicht bis zu 40 Stundenkilometer und ist mit Frontlader, Seilwinde und speziellen Forstreifen ausgerüstet. Sicherheitssensoren sorgen dafür, dass der Motor stoppt beziehungsweise die Maschine bremst, sobald der Fahrer den Sitz verlässt. Rund 160.000 Euro inklusive Zusatzausstattungen hat die Gemeinde Karlsbad in die Maschine investiert. Die Anschaffung soll sich auch bei den laufenden Kosten bemerkbar machen. „Die Gemeinde spart aber durch die Anschaffung der Maschine jeweils einzelne Kosten für externe Forstdienstleister, die man anfordern müsste, wenn man keine eigene Maschine hat“, erklärte Mohr. „Viele Arbeiten können nun mit eigenem Personal erledigt werden.“

Kiefer wird mit Seilwinde gesichert

Wie die neue Technik bei einer Baumfällung eingesetzt wird, demonstrierten die Forstleute anschließend an einer Kiefer. Ein Baumkletterer brachte mithilfe einer Wurfleine zunächst ein Seil in die Baumkrone. Anschließend wurde der Baum zusätzlich mit der Seilwinde des Traktors gesichert. Motorsäge, Seilwinde und Klettertechnik griffen dabei ineinander. So konnte die Kiefer kontrolliert und präzise gefällt werden. Nach gut zehn Minuten war die Fällung abgeschlossen.

Doch warum musste der Baum überhaupt weichen?

Revierleiter Mohr erklärte, dass die Kiefer den benachbarten Eichen Licht und Platz nahm. Gerade Eichen spielen beim Aufbau klimastabiler Wälder eine zunehmend wichtige Rolle, da sie als widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Hitze gelten.

Aus der Kiefer wird Bauholz

Nach der Fällung demonstrierten die Waldarbeiter außerdem die fachgerechte Aufarbeitung des Stammes. Die Kiefer wurde entastet und in genau festgelegte Längen geschnitten. Auf diese Weise kann das Holz später als Bauholz verwendet werden.

Jeder Stammabschnitt wird direkt im Wald vermessen und gekennzeichnet.

Die rund 100 Jahre alte Kiefer hatte die Güteklasse C und damit eine mittlere Holzqualität. Nach Angaben von Moosmayer bringt Holz dieser Qualität derzeit etwa 70 Euro pro Festmeter. Für den rund 17 Meter langen Stamm mit einem Durchmesser von 36 Zentimetern in der Stammmitte rechnet er mit einem Erlös von etwa 100 Euro. Dem stehen allerdings der Einsatz von vier Arbeitskräften und die Betriebskosten der Maschine gegenüber.
Die Demonstration machte damit nicht nur sichtbar, wie aufwendig eine professionelle Baumfällung sein kann. Sie zeigte auch, vor welchen Herausforderungen die kommunale Forstwirtschaft angesichts von Hitze, Trockenheit und dem notwendigen Waldumbau steht. (svs/red.)