Grötzingen Redaktion

Jens Jägle ist neuer Ortsvorsteher in Grötzingen

24. Januar 2025 Lesedauer
Jens Jägle ist neuer Ortsvorsteher in Grötzingen. Foto: Sven Scherz-Schade
Jens Jägle ist neuer Ortsvorsteher in Grötzingen. Foto: Sven Scherz-Schade


(svs.) Die erste Sitzung des Grötzinger Ortschaftsrats im neuen Jahr am 22. Januar brachte eine endgültige Klärung in das monatelange Tauziehen um die Besetzung des Ortsvorsteherpostens. Jens Jägle, Kommunalbeamter beim Ordnungs- und Bürgeramt Karlsruhe, setzte sich in einer spannenden Abstimmung als Gewinner durch und wird nun offiziell der neue Ortsvorsteher.
Leitung vom Dienstältesten
Die Sitzung stand unter der Leitung von Kurt Fischer (SPD), dem dienstältesten Mitglied des Ortschaftsrats, unterstützt von Ortschaftsrätin Veronika Pepper (CDU). Unter strengen Regularien – Beifallsbekundungen oder Zwischenrufe aus dem Zuhörerkreis waren ausdrücklich untersagt – erfolgte die geheime Wahl hinter Kabinen.
Komplizierte Personalfindung
Die Entscheidung im Ortschaftsrat wurde notwendig, nachdem im Oktober 2024 die Wahl der bisherigen Ortsvorsteherin Karen Eßrich (parteilos) durch den Karlsruher Gemeinderat überraschend nicht bestätigt wurde. Obwohl der Ortschaftsrat Eßrich damals mit einer knappen Mehrheit von 9 zu 8 Stimmen für
eine weitere Amtszeit gewählt hatte, kippte der Gemeinderat im Dezember die Entscheidung: 24 Gemeinderäte stimmten für Jens Jägle, während Eßrich nur 21 Stimmen erhielt. Dieses unerwartete Votum sorgte für politische Spannungen und hitzige Debatten, die sich bis zur vergangenen Ortschaftsratssitzung fortsetzten.
Die Ortschaftsräte hatten über ihr Einvernehmen mit der Entscheidung des Karlsruher Gemeinderats zu votieren, konnten also nur für oder gegen Jägle stimmen, der schließlich mit 10 zu 8 Stimmen das Rennen machte.
Abschied mit persönlichen Worten
Karen Eßrich, die das Amt der Ortsvorsteherin zehn Jahre lang innehatte, wandte sich nach der Wahl nochmals kurz, aber emotional an die zahlreich besuchte Versammlung: „Ich bin dankbar, dass ich noch ein paar persönliche Worte sagen darf“, erklärte sie sichtlich bewegt. Sie dankte Weggefährtinnen und Kollegen der Ortsverwaltung sowie den Bürgern für Vertrauen und Unterstützung. „Dem neu
gewählten Ortsvorsteher gratuliere ich und wünsche ihm viel Erfolg und eine glückliche Hand bei seinen Aufgaben.“ Gleichzeitig übte sie Kritik an den politischen Machtspielen der vergangenen Monate und appellierte, das Wohl von Grötzingen und Karlsruhe stets über Parteiprinzipien zu stellen. Eßrich war im
Sommer 2024 aus der SPD ausgetreten. Jens Jägle gehört keiner Partei an.
Aufbruch für den Neuen
Jens Jägle, 31 Jahre alt, gebürtig aus Heilbronn und seit mehreren Jahren wohnhaft in Grötzingen, zeigte sich nach der Entscheidung erleichtert und optimistisch: „Ich freue mich sehr und bin gespannt auf alle neuen Aufgaben.“ Der parteilose Kommunalbeamte betonte, er wolle sich mit vollem Einsatz für die
Anliegen des Stadtteils und seiner Bürger engagieren. Ob mit der Wahl von Jägle wieder Ruhe in die Grötzinger Kommunalpolitik einkehrt, wird sich zeigen. Denn das Votum des Karlsruher Gemeinderats vom Dezember hat so manchen Grötzinger empört. Eine Initiative hatte deshalb Unterschriften gesammelt mit dem Begehr, dass sich Mitglieder des Gemeinderats vor Ort kundig machen sollten, um das Gespräch mit Ortschaftsrat und Bürgern zu suchen. Die 605 Unterschriften wurden am Montag vor der Wahl den Ortschaftsräten von Grünen, SPD, CDU und FDP überreicht. Ortschaftsräte der Wählervereinigung MfG (Menschen für Grötzingen) kamen nicht zu diesem Termin.