In der Dornwaldsiedlung in Durlach laufen bereits die Bauarbeiten für neue Stromkabel – der sichtbare Startpunkt für den großangelegten Ausbau des Karlsruher Stromnetzes. Am Bauzaun informiert ein überdimensionaler blauer Klemmbaustein darüber, dass hier ein zentraler Baustein der zukünftigen Energieversorgung entsteht.
Am 10. November unterzeichneten Stadtwerke-Geschäftsführer Matthias Homann und EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer den Vertrag für einen Kredit von bis zu 270 Millionen Euro. Die Stadtwerke wollen damit Strom- und Fernwärmenetze modernisieren und ausbauen. Der Kredit läuft über 24 Jahre, die Zinskonditionen werden nicht veröffentlicht.
Resiliente Energieversorgung als Ziel
Die Investitionen fließen in digitale Infrastruktur, Batteriespeicher, intelligente Stromzähler, neue Stromkabel und ein modernes Fernwärme-Erzeugungswerk. Geplant sind außerdem Großwärmespeicher und eine Wärmepumpe, die Rheinwasser nutzt. Damit reagiert Karlsruhe auf die erhöhte Abhängigkeit Europas von Energieimporten. Homann betonte: „Jeder Schritt Richtung Unabhängigkeit ist ein guter Schritt.“
Karlsruhe als Vorreiter
Nicola Beer hob hervor, dass Karlsruhe mit seinem integrierten Strom- und Wärmeplan bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt. Die EIB bewertet das Vorhaben als langfristig tragfähige Investition. Die Stadtwerke gehören zu 80 Prozent der Stadt bzw. KVVH und zu 20 Prozent der EnBW.
Modernisierung für die Zukunft
Aktuell stammen 70 Prozent der Karlsruher Fernwärme aus CO₂-freier Abwärme. Bis 2035 soll die Versorgung klimaneutral sein. Parallel wird das Stromnetz für höhere Lasten durch Wärmepumpen, Elektroautos und dezentrale Einspeiser fit gemacht.
Mehr Transparenz für Bürger
An Baustellen sollen künftig große Infostelen mit QR-Codes informieren, damit Bürger Zweck, Dauer und Nutzen der Maßnahmen nachvollziehen können.
Technische Eckpunkte
Das gesamte Netz wird modernisiert – von 110 Kilovolt bis zur Niederspannung. Alte Freileitungen weichen leistungsfähigen Erdkabeln, Transformatoren werden erneuert und Verluste reduziert: im Hochspannungsnetz um bis zu 50 Prozent, bei neuen Transformatoren um 20 bis 30 Prozent.
Mit dieser Kombination aus technischer Modernisierung und langfristiger Finanzierung zeigt Karlsruhe, wie kommunale Energiewende gelingen kann – und ihren Anfang nimmt sie in Durlach. (svs)