Grünwettersbach Redaktion

Walter Link und seine Gemälde: Leser zeigen unbekannte Werke

28. Januar 2026 Lesedauer
Foto: R. Jourdan
Foto: R. Jourdan

Der Aufruf im Durlacher Blatt hat Wirkung gezeigt: Mehrere Leser haben Fotos von Gemälden eingesendet, die in ihren Wohnzimmern hängen – und vom früheren Grünwettersbacher Bürgermeister Walter Link (1905–1983) stammen. Für Heimatforscher Roland Jourdan ist das ein bedeutender Beitrag zur Aufarbeitung des künstlerischen und politischen Lebenswerks des Kommunalpolitikers und passionierten Hobbymalers.

Neue Erkenntnisse zur Biografie von Walter Link

Jourdan beschäftigt sich seit Längerem mit der Lebensgeschichte Links, der von 1954 bis 1970 Bürgermeister von Grünwettersbach war. Teile seiner Recherche hatte er bereits vor einem Jahr veröffentlicht – damals jedoch noch ohne gesichertes Sterbedatum. Diese Lücke konnte inzwischen mit Hilfe der Familie geschlossen werden: Walter Link starb am 17. Dezember 1983 im Alter von 78 Jahren. Mit Roland und Bernd Link leben heute noch zwei seiner drei Söhne im Ort.

Stillleben, Rosen und persönliche Geschichten

Besonders überraschend für Jourdan waren bislang unbekannte Stillleben von Walter Link. Ein Gemälde mit einer bauchigen Vase und Rosen in Rot, Rosa und Weiß stellte Wolfgang Wackenhut zur Verfügung. Es soll 1946 als Hochzeitsgeschenk für seine Eltern entstanden sein. Aus demselben Jahr stammt ein weiteres Werk, das Gerhard Gräber fotografiert hat: Rosen in verschiedenen Farben, darunter Gelb, betont durch ein gelbes Tuch. Signiert ist das Bild mit den ineinander verschlungenen Initialen „WL“ und der Jahreszahl „46“. Laut Gräber gehörte es ursprünglich seinen Großeltern und wurde vermutlich zur Silberhochzeit verschenkt.
Ein weiteres Gemälde – ein Blumenstrauß in blauer Vase – stammt aus der Zeit nach Links Bürgermeisteramt. Norbert Wittner berichtet, dass es ein Geschenk an eine ehemalige Mitarbeiterin zum Einzug in ihr neues Zuhause gewesen sei.

Ein Gemälde als Zeitzeugnis der Ortsgeschichte

Ein besonderes Werk entdeckte Erhard Piston in seiner Wohnung: Ein Fachwerkhaus mit Hühnern, Misthaufen und dem Turm der evangelischen Kirche Grünwettersbach im Hintergrund. Jourdan bestätigte die Echtheit anhand der Signatur. Das Bild zeigt das frühere Elternhaus von Pistons Mutter – ein Gebäude, das heute nicht mehr existiert.
Damit wird das Gemälde zu einem wertvollen historischen Dokument, das einen Blick in die Vergangenheit Grünwettersbachs ermöglicht.

„Gefühlt hat jeder zweite Ur-Grünwettersbacher ein Link-Gemälde“

Seit Jourdan als stellvertretender Ortsvorsteher ältere Einwohner besucht, achtet er besonders auf Bilder an den Wänden. Seine Beobachtung: Walter Link war als Maler im Ort weit verbreitet. Immer wieder tauchen neue Werke auf – darunter auch ein Erntedankbild, das Link nach einem Foto aus der Kirche gemalt haben soll.
Auch für die Freiwillige Feuerwehr Grünwettersbach schuf Link ein Bild: Es zeigt den Heiligen Florian vor Weihnachtssternen. Das Gemälde erhielt im Feuerwehrhaus einen Ehrenplatz – ein Zeichen der Wertschätzung für das künstlerische und gesellschaftliche Engagement Links.

Walter Link: Politiker, Heimatmaler und Chronist seiner Zeit

Die neu entdeckten Werke zeigen: Walter Link war nicht nur Bürgermeister, sondern auch ein sensibler Beobachter seiner Heimat. Seine Gemälde erzählen Geschichten aus Grünwettersbach – von Familien, Häusern, Festen und Menschen. Mit jeder neu auftauchenden Arbeit wächst das Bild eines Mannes, dessen künstlerisches Erbe bis heute in vielen Wohnzimmern weiterlebt.