Durlach Redaktion

Durlach bei Nacht: Wenn die Heimatgeschichte lebendig wird

25. April 2026 Lesedauer
Foto: Victoria Makarova
Foto: Victoria Makarova

Enge Gassen, alte Mauern und Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten: Bei den Nachtwächterführungen des Historischen Vereins Durlach wird Stadtgeschichte auf besondere Weise erlebbar. Treffpunkt ist der Marktplatz am Marktbrunnen, von wo aus die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Vergangenheit eintauchen.

Jüngst folgten trotz durchwachsenen Wetters 62 Interessierte der Einladung. In historischen Gewändern, mit Laternen ausgestattet, führten die Nachtwächter in mehreren Gruppen durch die Altstadt. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei Samuel Degen, langjähriger Stadtführer und ausgewiesener Kenner der Durlacher Geschichte. Mit großer Detailkenntnis und persönlichem Bezug vermittelt er historische Zusammenhänge ebenso anschaulich wie unterhaltsam. Dabei beschränkt er sich nicht auf Fakten, sondern verknüpft diese mit lebendigen Anekdoten und eigenen Erinnerungen.

Degen kennt Durlach aus nächster Nähe: Der 72-Jährige ist hier aufgewachsen und lässt immer wieder persönliche Einblicke einfließen – etwa wenn er auf sein früheres Elternhaus zeigt und vom Alltag vergangener Jahrzehnte berichtet. Seine Erzählungen über kalte Winter, gemeinschaftlich genutzte Badezimmer oder das Leben in den historischen Gebäuden schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und machen Geschichte greifbar.

So reicht der Blick zurück bis ins Mittelalter: Durlach wurde zwar erst 1196 urkundlich erwähnt, dürfte aber deutlich älter sein. Eine rund zwei Meter dicke und sechs Meter hohe Stadtmauer schützte einst die Stadt – Teile davon sind bis heute erhalten und prägen noch immer das Stadtbild.

Auch kuriose Details bleiben in Erinnerung. Etwa die tiefroten Hausfassaden, die einst als Schlachthäuser dienten und deren Farbe Blutspuren verbergen sollte. Oder das sogenannte „Kanapee-Gäßle“, in dem mit Mist gefüllte Sandsteintröge vor den Häusern standen – Sitzgelegenheit und Wärmespender zugleich.

Zwischen historischen Fakten, Legenden und persönlichen Geschichten wird deutlich: Durlach hat viele Facetten. Die Nachtwächterführungen machen diese Vergangenheit greifbar – nicht zuletzt durch engagierte Stadtführer wie Samuel Degen, die Geschichte lebendig erzählen.

Die Führungen finden zweimal im Jahr statt und sind kostenlos. Private Rundgänge können beim Historischen Verein Durlach gebucht werden. (vim/red.)