Pfinztal Redaktion

Richtfest an der Schnellermühle: Neues Quartier nimmt Gestalt an

1. Juni 2026 Lesedauer
Foto: Scherz-Schade
Foto: Scherz-Schade

Vor wenigen Monaten prägten bröckelnde Mauern, überwucherte Hecken und marode Dächer das Bild der Schnellermühle am Ortsausgang von Berghausen in Richtung Söllingen. Heute schwebt der Richtkranz über dem Gelände: Mit dem Richtfest am 21. Mai wurde ein wichtiger Meilenstein bei der Entwicklung des historischen Areals gefeiert.
Auf dem ehemaligen Mühlengelände entsteht ein neues Wohnquartier mit Nahversorgung, Gastronomie, Inklusion und nachhaltiger Energieversorgung. Die Gebäude stehen bereits im Rohbau, die Dächer fehlen noch.

Vom Problemareal zum Zukunftsprojekt

„Ein Richtfest feiert man nicht einfach für ein Gebäude“, sagte Investor Robert Oettinger von der Oettinger Immobilien GmbH. „Man feiert einen Gedanken, der sichtbar geworden ist.“
Noch vor wenigen Jahren galt das traditionsreiche Gelände, das nicht unter Denkmalschutz steht, als schwer entwickelbar. Mehrere Nutzungskonzepte scheiterten. „Als wir hier zum ersten Mal standen, brauchte es schon sehr viel Vorstellungskraft“, erinnerte sich Oettinger.
Inzwischen entsteht ein Quartier mit 53 seniorengerechten Wohnungen, darunter 20 Mietwohnungen. Ergänzt wird das Konzept durch einen CAP-Markt, Gastronomie, Veranstaltungsflächen sowie eine Holzmanufaktur in Kooperation mit der Lebenshilfe Karlsruhe, Ettlingen und Umgebung e.V. Darüber hinaus sind Räume für Kultur, Begegnung und öffentliche Veranstaltungen vorgesehen.

Wohnen, Arbeiten und Begegnen

Besonders wichtig sei die Verbindung von sozialem Anspruch und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. „Hier soll gearbeitet, gegessen, gelacht, gewohnt und zusammengekommen werden“, sagte Oettinger. Sowohl die Gastronomie als auch die Veranstaltungsräume sollen öffentlich zugänglich sein.
Pfinztals Bürgermeisterin Nicola Bodner betonte die Bedeutung des Quartiers für das gesellschaftliche Miteinander. „Man zieht hier nicht zu Fremden, sondern vielleicht schon zu Freunden“, sagte sie mit Blick auf die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner. Ziel sei es, das Areal eng mit den bestehenden Ortsteilen zu verknüpfen.

Brücke als wichtige Verbindung

Eine zentrale Rolle spielt dabei die geplante Brücke über die Pfinz. Sie soll künftig beide Ufer miteinander verbinden und war in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand kommunalpolitischer Diskussionen.
Aufgrund naturschutzrechtlicher Vorgaben kann der Bau erst im Herbst beginnen. „Im Oktober oder November wird die Brücke definitiv kommen“, erklärte Catrin Oettinger. Der erste Bauabschnitt mit den neuen Wohneinheiten soll spätestens bis zum 31. März 2027 bezugsfertig sein.

Hohe Nachfrage nach Wohnungen

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen in der Bauwirtschaft entwickelt sich das Projekt nach Angaben der Investoren planmäßig. Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen sei hoch. Rund drei Viertel der Wohnungen seien bereits verkauft.
Gleichzeitig setzt das Unternehmen bewusst auf langfristige Vermietung. „Gerade die Mischung aus Eigentum und Mietwohnungen war uns wichtig“, sagte Catrin Oettinger.

Nachhaltiges Energiekonzept

Auch energetisch soll die Schnellermühle neue Maßstäbe setzen. Das Quartier wird im KfW-40-Standard errichtet und über Wasser-Wärmepumpen beheizt. Ergänzt wird das Konzept durch Photovoltaikanlagen, ein Mieterstrommodell sowie eine positive Ökopunktebilanz.
Ziel ist ein Wohnquartier mit möglichst geringer CO₂-Belastung und langfristig stabilen Energiekosten.

Archäologie begleitet die Bauarbeiten

Ganz ohne Herausforderungen verläuft ein Projekt dieser Größenordnung jedoch nicht. Altlasten, Spezialtiefbau und archäologische Untersuchungen begleiten die Arbeiten.
Im Innenhof untersuchen Fachleute derzeit mögliche historische Strukturen. Die Geschichte der Schnellermühle reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Dort wurden einst sogenannte „Schneller“ gefertigt – kleine Kugeln für Munition.

Traditionelles Richtfest als Meilenstein

Lob für den bisherigen Baufortschritt gab es von der ausführenden weisenburger bau GmbH. Geschäftsführer Matthias Ryzlewicz sprach von einem „bemerkenswert erfolgreichen Projekt“ in einer schwierigen Phase für die Bauwirtschaft. Gleichzeitig erinnerte das Richtfest an traditionelle Handwerksbräuche – vom symbolischen Firstnagel bis zum klassischen Richtspruch. Am Nachmittag schlugen die Beteiligten schließlich selbst symbolische Nägel ins Holz.
Während der Richtkranz über dem Areal im Wind schaukelte, wurde deutlich, wie aus dem ehemaligen Mühlengelände Schritt für Schritt ein neues Quartier für Wohnen, Begegnung und Nahversorgung entsteht. (svs/red.)