Auf großes Interesse stieß die historische Führung durch die Untermühlsiedlung, zu der die Bürgergemeinschaft Untermühl- und Dornwaldsiedlung gemeinsam mit dem Historischen Verein Durlach eingeladen hatte. Rund 50 ehemalige und aktuelle Bewohnerinnen und Bewohner begaben sich mit Brunhilde Horn auf eine spannende Zeitreise durch ihren Stadtteil. Dabei wurde die Geschichte der Siedlung anhand zahlreicher Erinnerungen, Fotos und Geschichten wieder lebendig, wie die Bürgergemeinschaft mitteilt.
Mit historischen Aufnahmen zeigte Horn, wie stark sich die Untermühlsiedlung im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Viele Teilnehmer erkannten vertraute Orte kaum wieder. „Das alles, bis zur Autobahn, war früher die Kräuterwiese von Dr. Willmar Schwabe“, erläuterte sie an einer Station. An anderer Stelle erinnerte sie an die inzwischen verschwundene Schleifmühle mit Schweinezucht von Ernst Wagner, die einst das Bild des Viertels prägte.
Besonders lebendig wurden die Erzählungen über den Alltag früherer Zeiten. Horn berichtete von Bewohnern und kleinen Geschäften, die vielen noch in Erinnerung sind. „Dort wohnte Sofie mit der Säge“, erzählte sie, oder verwies auf den ehemaligen Kolonialwarenladen, „in dem man alles bekam – und auch mal anschreiben lassen konnte“.
Bei vielen Teilnehmern wurden Erinnerungen wach: an rote und braune Osterhasen, das tägliche Milchholen und zahlreiche kleine Begebenheiten, die das Leben in der Siedlung einst ausmachten.
Neben historischen Einblicken sprach Horn auch aktuelle Herausforderungen im Stadtteil an. So verwies sie auf die aus ihrer Sicht problematische Rettungswegsituation auf dem ehemaligen Sportgelände des FC Germania. Die Zufahrt zu den dort entstandenen Wohngebäuden der Volkswohnung ende in einer Sackgasse. Zudem kritisierte sie den sichtbaren Verfall einzelner Gebäude, gegen den seit Jahren nichts unternommen werde.
Mit viel Fachwissen führte Horn die Gruppe durch die Straßen der Siedlung. Dabei erläuterte sie die Besonderheiten der französischen Dachstühle und erinnerte an die ehemalige Lumpensortieranstalt Nachmann, die einst zur Geschichte des Quartiers gehörte.
Wie historische Bausubstanz erfolgreich erhalten und gleichzeitig modern genutzt werden kann, zeigte das Beispiel der restaurierten Unteren Mühle. Dort wurde aus einem historischen Gebäude zeitgemäßer Wohnraum geschaffen. So verband der Spaziergang auf anschauliche Weise Vergangenheit und Gegenwart der Untermühlsiedlung. (mhez/red.)