Für Benjamin Felber ist das Maß voll. Der stellvertretende Vorsitzende des 1. Anglervereins Durlach wirft der Stadt Karlsruhe vor, die Zustände rund um den Oberwaldsee zu verharmlosen. Rücksichtslose Besucher hinterließen Müll, zerstörten die Natur und missachteten Regeln – wirksame Kontrollen gebe es seiner Ansicht nach kaum. Die Stadt räumt Probleme ein, sieht darin jedoch überwiegend Einzelfälle und verweist auf begrenzte personelle Möglichkeiten.
Seit seiner Kindheit ist Angeln das große Hobby des 41-Jährigen. Vor vier Jahren zog er aus Nordrhein-Westfalen in die Region und engagiert sich seither im 1. Anglerverein Durlach. Der Verein mit rund 60 Mitgliedern besitzt seit 1934 die Fischereirechte am Oberwaldsee. Der See entstand in seiner heutigen Größe 1972 nach dem Kiesabbau für den Bau der Autobahn 5 und der Karlsruher Südtangente. Während sich im Wasser Karpfen, Hechte, Zander und weitere Fischarten tummeln, zieht das Naherholungsgebiet täglich zahlreiche Spaziergänger, Jogger und Grillfreunde an – besonders an Wochenenden.
„Die Zustände vor Ort haben inzwischen ein inakzeptables Ausmaß erreicht und stellen sowohl eine erhebliche Umweltbelastung als auch ein Sicherheitsrisiko dar“, kritisiert Felber. Rund um den Grillplatz hätten sich zahlreiche unerlaubte Feuerstellen gebildet. Der eigentliche Grillplatz sei häufig stark verschmutzt. Überall lägen Zigarettenkippen, Kronkorken, Spirituosenflaschen und Verpackungsmüll. Fotos dokumentieren verbrannte Baumstämme, abgesägte Äste und beschädigte junge Bäume.
Hinzu komme weiterer Müll im gesamten Gebiet: Glasflaschen, Sperrmüll, organische Abfälle sowie Hygieneartikel wie Windeln, Feuchttücher und Tampons. Seit Ende Mai gilt für alle sechs städtischen Grillplätze eine verschärfte Grillplatzordnung. Erlaubt sind nur noch die fest installierten Feuerstellen sowie Gasgrills mit mindestens 40 Zentimetern Bodenabstand. Einweggrills und Lagerfeuer sind verboten.
Die Mitglieder des Anglervereins verstehen sich nicht nur als Fischer, sondern auch als Naturschützer. Felber sammelt nach eigenen Angaben seit rund eineinhalb Jahren regelmäßig Müll und füllt dabei wöchentlich mindestens einen 120-Liter-Sack. Nach dem 1. Mai seien es sogar fünf Säcke gewesen – zusätzlich zu den Reinigungsarbeiten einer Fachfirma, die im Auftrag der städtischen Forstverwaltung zweimal pro Woche unterwegs ist.
Mit deren Arbeit zeigt sich die Stadt zufrieden. „Die meisten Nutzenden wissen die Besonderheiten dieses Waldes und der bereitgestellten Einrichtungen zu schätzen und gehen sorgsam damit um“, erklärt sie auf Anfrage des Durlacher Blatts. Es gebe allerdings auch Ausnahmen, die zu den beanstandeten Missständen führten. Von einem „inakzeptablen Ausmaß“, einer „erheblichen Umweltbelastung“ oder einem „Sicherheitsrisiko“ könne – abgesehen von seltenen Einzelfällen – jedoch keine Rede sein.
Felber hält dagegen. Allein die beauftragte Reinigungsfirma entsorge seiner Schätzung nach jährlich rund 15 Tonnen Müll. Der Verein habe inzwischen umfangreiches Bildmaterial gesammelt. Zu den dokumentierten Vorfällen gehören unter anderem ein von einem freilaufenden Hund getötetes Küken einer Kanadagans sowie Hunde, die trotz Verbots im See schwimmen.
Besonders kritisiert der Vereinsvize die aus seiner Sicht mangelnde Präsenz der Behörden. Eine Polizeistreife habe er im vergangenen Jahr höchstens dreimal gesehen. Nach mehreren Hinweisen habe die Stadt erklärt, die Problematik sei bekannt, aufgrund von Personalmangel seien jedoch keine weitergehenden Maßnahmen möglich. Kontrollen gebe es „kaum bis keine“, so Felber.
Auch die neue Schranke am Parkplatz habe das Problem nicht gelöst. Das Vorhängeschloss werde regelmäßig aufgebrochen. Gleichzeitig erschwere die versetzte Schranke älteren Vereinsmitgliedern den Transport ihrer bis zu 40 Kilogramm schweren Angelausrüstung.
Darüber hinaus berichten die Angler von zugeparkten Zufahrten, halb umgestürzten Bäumen entlang der Wege, Badegästen trotz Badeverbots und sogar einem Schlauchboot auf dem See. Wer solche Verstöße dokumentiere, müsse immer wieder verbale und teilweise sogar körperliche Angriffe hinnehmen.
„Diese Situation ist für uns als Pächter sowie als naturverbundene Menschen nicht länger hinnehmbar“, sagt Felber. Er fordert häufigere Kontrollen und konkrete Maßnahmen zum Schutz des Landschaftsschutzgebiets. Denkbar sei auch eine vorherige Anmeldung für die Nutzung des Grillplatzes, um Verursacher bei Verstößen leichter zur Verantwortung ziehen zu können.
Die Stadt erklärt dagegen, sie habe die Situation „weitestgehend im Blick“. Verstöße kämen lediglich gelegentlich vor. Felber wirft der Verwaltung vor, das Problem kleinzureden: „Durch Abstreiten löst man das Problem nicht. Was da passiert, ist nicht mehr normal.“
Ganz so außergewöhnlich scheinen die Zustände allerdings nicht zu sein. Denn an anderer Stelle räumt die Stadt selbst ein, dass die Verschmutzungen am Oberwaldsee „leider der Problematik an unseren anderen Anlagen und Waldgebieten“ entsprächen. Eine lückenlose Überwachung sei „aus finanziellen und personellen Gründen nicht leistbar“. Diese Einschätzung macht deutlich: Das Müllproblem am Oberwaldsee ist offenbar Teil eines grundsätzlichen Problems in Karlsruhes Naherholungsgebieten.(rp/red.)