Pfinztal Redaktion

Mehr Park als Friedhof: Pfinztal setzt auf Erinnerungsgärten

2. Juli 2026 Lesedauer
Sven Scherz-Schade
Sven Scherz-Schade

Blumen statt Kies, Stauden statt Stein und Sitzbänke statt langer Grabreihen: Die Friedhöfe in Pfinztal sollen künftig nicht mehr ausschließlich Orte der Trauer sein. Nach dem Willen des Gemeinderats sollen sie sich zu grünen Oasen entwickeln, die Raum für Erinnerung, Begegnung und Ruhe bieten. Deshalb beschloss das Gremium Mitte Mai die Einrichtung sogenannter Erinnerungsgärten in Berghausen, Kleinsteinbach und Wöschbach. Auch in Söllingen soll ein entsprechendes Angebot entstehen.

Neue Friedhofskultur

Die Diskussion im Gemeinderat zeigte, dass das Thema viele bewegt. „Friedhöfe sind nicht nur Orte für die Toten, sondern auch für die Lebenden“, betonte Joachim Bräuninger von der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner bei der Vorstellung der Konzepte. Ihm schwebt eine neue Friedhofskultur vor – weniger streng und steinern, dafür grüner, offener und menschlicher. Friedhöfe sollen sich künftig eher wie kleine Parks anfühlen – Orte, an denen Menschen bewusst verweilen.

Naturnahe Grabfelder

Geplant sind gärtnergepflegte Grabfelder mit Stauden, Sitzgelegenheiten und Wasserspielen. Statt klassischer, streng voneinander abgegrenzter Einzelgräber entstehen naturnah gestaltete Anlagen, die sich im Laufe der Jahreszeiten verändern und immer wieder neu erblühen. Die Pflege übernehmen professionelle Friedhofsgärtner. Für Angehörige entfällt damit die Grabpflege – ein Vorteil vor allem für ältere Hinterbliebene oder Familien, die nicht in der Nähe wohnen.
Mit den Erinnerungsgärten erweitert die Gemeinde zugleich ihr Angebot an Bestattungsformen. Vorgesehen sind sowohl Sarg- als auch Urnenbestattungen, etwa an Gemeinschaftsstelen oder im Umfeld von Bäumen. Auch gemeinsame Familiengrabstätten mit Sarg- und Urnenbestattungen sollen möglich werden.

Individuelle Planung

Mit dem Thema hatte sich der Gemeinderat bereits seit längerer Zeit beschäftigt und dafür eine Kommission eingesetzt. Gemeinderäte, Ortsbeauftragte, Steinmetze, Gärtner und Verwaltungsmitarbeiter besichtigten gemeinsam die Friedhöfe und entwickelten zusammen mit Fachplanern Konzepte für die einzelnen Ortsteile.
Diese berücksichtigen die jeweiligen Gegebenheiten. In Kleinsteinbach spielt beispielsweise die Hanglage eine wichtige Rolle, andernorts flossen vorhandene Wegeführungen oder freie Flächen in die Planungen ein. Die Umsetzung soll schrittweise erfolgen. Den Anfang macht Berghausen, anschließend folgen Kleinsteinbach und Wöschbach.

Grabplatz nicht frei wählbar

Einen konkreten Grabplatz innerhalb des Erinnerungsgartens können Interessierte nicht bereits zu Lebzeiten reservieren. Nach Auffassung der Gemeinde würde dies die langfristige Planbarkeit der Belegungsstrukturen erschweren. Möglich ist jedoch ein Vorsorgevertrag, der den Anspruch auf ein Grab innerhalb des jeweiligen Erinnerungsgartens sichert, ohne den genauen Standort vorab festzulegen.

Breite Zustimmung

Im Gemeinderat überwog die Zustimmung deutlich. Positiv bewertet wurde insbesondere die dauerhafte Pflege der Anlagen. Kritische Nachfragen gab es zu den Kosten für die Gemeinde, den künftigen Gebühren sowie zur Einbindung örtlicher Gartenbaubetriebe.
Bräuninger erklärte, dass die Gartenbaubetriebe und die Genossenschaft einen großen Teil des wirtschaftlichen Risikos übernehmen. Die Gemeinde investiert vor allem in die Infrastruktur wie Wege und Mauern. Am Ende stimmten 18 Gemeinderäte für das Projekt. Lediglich die beiden Mandatsträger der AfD votierten dagegen. (svs/red.)