Grötzingen Redaktion

Emotionale Debatte: Grötzingen streicht den Namen Herbert Schweizer

7. August 2026 Lesedauer
Foto: Sven Scherz-Schade
Foto: Sven Scherz-Schade

Mit 9:7 Stimmen hat der Grötzinger Ortschaftsrat in seiner Sitzung am 15. Juli die Rückbenennung der Begegnungsstätte beschlossen. Befürworter sprachen von einer Rückkehr zum gewachsenen Namen, Gegner von einem falschen Signal für die Erinnerungskultur. Der erst 2023 eingeführte Namenszusatz „Herbert-Schweizer-Haus“ wird wieder gestrichen. Das Gebäude trägt künftig wieder den Namen „Begegnungsstätte Grötzingen“.
Den Antrag auf die erneute Umbenennung hatten die Ortschaftsräte Jan Galley (CDU), Thorsten Daubenberger (MfG) und Jörg Breier (FDP) eingebracht.

An den etablierten Namen anknüpfen

Die Antragsteller begründeten ihren Vorstoß damit, dass sich der Name „Herbert-Schweizer-Haus Begegnungsstätte Grötzingen“ in den vergangenen drei Jahren im Alltag nicht etabliert habe. Galley sprach von „Verwirrung“. Die Bezeichnung sei sperrig und werde häufig verkürzt oder unterschiedlich verwendet. Der Name „Begegnungsstätte Grötzingen“ hingegen sei über Jahrzehnte in der Bevölkerung fest verankert gewesen. Daran wolle man wieder anknüpfen.

Gegner sehen falsches Signal

Die Gegner des Antrags hielten dagegen, drei Jahre seien kein langer Zeitraum, um einen neuen Namen im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Gabriele Vorberg (Grüne) sagte: „Uns hat der Antrag sehr betroffen gemacht.“ Sie verwies auf mehrere bekannte Veranstaltungshallen mit längeren oder vermeintlich sperrigen Namen und betonte, dass neue Bezeichnungen häufig Zeit benötigten, bis sie sich durchsetzten.

Eine erneute Umbenennung verursache zudem Kosten und sende ein fragwürdiges Signal. „Hier ist eine rote Linie überschritten“, sagte Egon Siegrist (SPD).

In der emotional geführten Debatte ging es über weite Strecken um Wertschätzung, Erinnerungskultur und den Umgang miteinander. Herbert Schweizer war sozialdemokratischer Bürgermeister und hatte sich um die Eingemeindung Grötzingens verdient gemacht. Außerdem hatte er die Errichtung einer Halle für das Malerdorf politisch durchgesetzt. Mehrere Ratsmitglieder erinnerten daran, dass der Ortschaftsrat die Ehrung Herbert Schweizers erst 2023 beschlossen hatte. Daran nun wieder zu rütteln, sei aus ihrer Sicht schwer nachvollziehbar.

Keine neuen Argumente

Nach Auffassung der Antragsteller gehe es nicht darum, die Verdienste des früheren Bürgermeisters infrage zu stellen. Vielmehr solle die Bezeichnung wieder dem entsprechen, was die Menschen tatsächlich verwendeten.
Auffällig war jedoch, dass sich die Wortmeldungen und Argumente überwiegend auf Seiten der Antragsgegner häuften. Die Befürworter brachten im Verlauf der Debatte keine neuen Argumente vor. Mehrere Ortschaftsräte von MfG und CDU beteiligten sich gar nicht an der Diskussion. Jörg Breier (FDP), Mitinitiator des Antrags, war an diesem Abend nicht anwesend.
Lisa Cassarino-Benz (SPD) stellte grundsätzlich infrage, ob die Namensdebatte derzeit die richtige Priorität sei. Grötzingen habe drängendere Herausforderungen, etwa fehlende Kita-Plätze und andere kommunale Aufgaben. Die erneute Namensänderung binde Zeit und Ressourcen, die an anderer Stelle dringend benötigt würden.

Appell an den Zusammenhalt

Mehrere Ratsmitglieder äußerten die Sorge, dass die Debatte Gräben im Ort vertiefe. Unabhängig vom Abstimmungsergebnis müsse es gelingen, wieder gemeinsam für Grötzingen zu arbeiten.
Nachdem bereits im Vorfeld offene Briefe der Arbeiterwohlfahrt und des VdK für Aufmerksamkeit gesorgt hatten, wurde deutlich, dass die Entscheidung weit über eine bloße Namensfrage hinausreicht. Mit dem knappen Votum ist die politische Entscheidung nun jedoch gefallen: Das Gebäude trägt künftig wieder den Namen „Begegnungsstätte Grötzingen“. (svs/red.)