Die geplante Neubebauung des Niddaplatzes in Grötzingen lässt weiter auf sich warten. Der Ortschaftsrat hat die Entscheidung über das vorgesehene Konzeptvergabeverfahren nach kontroverser Diskussion vertagt. Im September soll zunächst das Parkraumkonzept beraten werden, bevor das Gremium erneut über die Zukunft des Platzes entscheidet.
Mit der Vorlage wollte die Stadtverwaltung die grundsätzliche Zustimmung des Ortschaftsrats zu einem Konzeptvergabeverfahren einholen. Geplant sind zwei Neubauten am südlichen Rand des Niddaplatzes. Im Erdgeschoss sollen publikumswirksame Nutzungen wie Dienstleistungen oder Gastronomie entstehen, in den oberen Geschossen Wohnungen oder Büros. Die nördliche Grün- und Spielfläche soll als öffentlicher Aufenthaltsbereich erhalten bleiben.
Über die Entwicklung der Grötzinger Ortsmitte wird bereits seit rund zehn Jahren diskutiert. Aus einer Planungswerkstatt und mehreren Bürgerbeteiligungen ging die Idee einer „grünen Ortsmitte“ mit einer baulichen Fassung des südlichen Platzrandes hervor. Seit 2019 ist die Neugestaltung offizielles Sanierungsziel im Sanierungsgebiet „Grötzingen Ortsmitte“.
Inzwischen setzt die Stadt auf eine Konzeptvergabe, bei der private Investoren eigene städtebauliche Entwürfe einreichen können. Verschiedene Modelle seien zuvor geprüft worden, erläuterte Eva Hennings vom Stadtplanungsamt.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen weniger die geplanten Gebäude als vielmehr die Stellplätze. Mehrere Ortschaftsräte befürchteten, dass durch die Bebauung Parkplätze wegfallen könnten. Siegfried Schönberger (CDU) erinnerte daran, dass seine Fraktion bereits früher Ersatzparkplätze gefordert hatte. Die Verwaltung verwies dagegen auf ausreichend vorhandene Parkmöglichkeiten im Umfeld.
Während sich die Verwaltung auf Daten aus Verkehrszählungen stützte, räumte Schönberger ein, dass seine Einschätzung auf subjektiven Wahrnehmungen beruhe. Titus Tamm (Grüne) kritisierte das geringe Vertrauen in die fachliche Expertise der Verwaltung. Egon Siegrist (SPD) hielt dem seine persönlichen Erfahrungen entgegen: Er finde mit seinem Auto in der Ortsmitte stets einen Parkplatz.
Die Diskussion machte deutlich, dass mehrere Ratsmitglieder die Stellplatzfrage zunächst grundsätzlich klären wollen. Da das Parkraumkonzept ohnehin im September auf der Tagesordnung steht, verständigte sich das Gremium darauf, die Entscheidung über den Niddaplatz bis dahin zurückzustellen.
Die Vertagung könnte Folgen für das gesamte Vorhaben haben. Nach Angaben der Stadt könnte der Verkauf der südlichen Platzfläche Einnahmen von rund 786.000 Euro erzielen. Grundlage ist ein Verkehrswertgutachten vom März 2026.
Sollte der Ortschaftsrat auch im September keine Zustimmung erteilen, will die Verwaltung die Maßnahme im Herbst bei der städtischen Priorisierung der Sanierungsprojekte zur Streichung vorschlagen. Damit könnte die geplante Neubebauung endgültig scheitern. Die heutige Parkplatzfläche würde in diesem Fall voraussichtlich unverändert bleiben. (svs/red.)