Priorisierungen sind ein anderes Wort für Kürzungen, sagte der Durlacher FDP-Ortschaftsrat Norman Gaebel und brachte damit die Debatte auf den Punkt. Die angespannte Haushaltslage mit begrenzten finanziellen und personellen Kapazitäten macht eine Neubewertung der städtischen Sanierungsgebiete erforderlich. Das personell reduzierte Karlsruher Stadtplanungsamt legte den Ortschaftsräten deshalb eine detaillierte Liste geplanter Sanierungsmaßnahmen vor. Darin wurden die Vorhaben nach dem Zeitpunkt ihrer möglichen Realisierung kategorisiert. Auch endgültig gestrichene Sanierungsvorhaben sind aufgeführt.
Sanierungsmaßnahmen in Durlach vertagt
In Durlach wurde keines der ursprünglich geplanten Sanierungsvorhaben endgültig gestrichen. Die Umsetzung ist allerdings wohl in weite Ferne gerückt. So sollen beispielsweise wichtige Maßnahmen am Durlacher Stadteingang und am Bahnhofsvorplatz sowie verschiedene Straßenraumgestaltungen auf die 2030er-Jahre verschoben werden.
In erstaunlich fatalistischer Gelassenheit nahmen die Durlacher Ortschaftsräte die Kürzungen zur Kenntnis. Die knappe kommunale Finanzausstattung wurde zwar bedauernd kritisiert, trotz bundesweit historisch hoher Steuereinnahmen blieb es ansonsten aber weitgehend beim Schulterzucken. Ein „es ist halt so“ scheint die fraktionsübergreifende Haltung zu diesem Thema zu sein.
Ortschaftsrat Martin Pötzsche (Bündnis 90/Grüne) verwies auf einige teure Bauprojekte, die sich die Stadt Karlsruhe leistet. Die dort gebundenen Finanzmittel hätten an anderer Stelle möglicherweise einen größeren Nutzen bringen können, vermutete der Grünen-Politiker selbstkritisch. Ob er dabei an den von seiner Fraktion mit auf den Weg gebrachten, umstrittenen Umbau der 32 Millionen Euro teuren Turmbergbahn (Stand Sommer 2026) dachte, ließ er allerdings offen.
Blick in die Nachbarschaft
Wettersbach ist von den geplanten Kürzungen vergleichsweise wenig betroffen. Lediglich ein ergänzender Grunderwerb für den Dorfplatz „Am Wetterbach 83“, für den ursprünglich 50.000 Euro vorgesehen waren, fiel dem Rotstift zum Opfer. Die Gestaltung der Freifläche „Am Wetterbach 103 und 105“ sowie die Umgestaltung des Straßenraums vor der Grünwettersbacher Kita wurden auf unbestimmte Zeit zurückgestellt. Keine dieser moderaten Kürzungen konnte die Wettersbacher Ortschaftsräte beunruhigen.
Festhalle muss erhalten bleiben
Lediglich bei den stadtplanerischen Überlegungen, die Durlacher Festhalle verkaufen zu wollen, regte sich spürbarer Widerstand. Die Durlacher Festhalle sei ein Ort, an dem sich ein vielfältiges, ehrenamtlich getragenes Vereinsleben entfalten könne, war von den Ortschaftsräten unisono zu hören.
Solange es für diesen Ort keinen adäquaten Ersatz gibt – und ein solcher ist nicht in Sicht –, wird ein geplanter Verkauf der Festhalle auf den entschiedenen Widerstand des Durlacher Ortschaftsrates treffen. In dieser Haltung waren sich die Fraktionen einig. (sfe/red.)